14. Jahrestag der (Selbst-)Enttarnung des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU)
Heute jährt sich die (Selbst-)Enttarnung des »Nationalsozialistischen Untergrund« (NSU) zum 14. Mal. Zwischen 2000 und 2007 ermordete der NSU aus rassistischen Motiven zehn Menschen.
In Erinnerung an: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter
Das große Unterstützernetzwerk des NSU – die Angehörigen der Terrorzelle lebten von 1998-2011 nahezu unbehelligt im Untergrund – sowie das staatliche und gesellschaftliche Versagen bei der Aufklärung der Verbrechen und im Umgang mit ihnen führen dazu, dass von einem »NSU-Komplex« gesprochen wird. Den heutigen Tag ist deshalb auch Anlass zu kritischer Selbstbefragung: Warum konnten die Täter und Täterinnen dreizehn Jahre lang unentdeckt bleiben? Wieso hat niemand auf die Stimmen der Betroffenen gehört, sie nach den Taten verdächtigt und allein gelassen? Hätten weitere Taten verhindert werden können?
Die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex ist nicht abgeschlossen. Das gilt auch im Freistaat Sachen: Die juristische Aufarbeitung wird mit dem in zwei Tagen am Oberlandesgericht in Dresden beginnenden Prozess gegen eine Unterstützerin des Terrornetzwerkes fortgesetzt.
Ein Meilenstein der gesellschaftlichen Aufarbeitung des NSU-Komplex wurde im Mai dieses Jahres erreicht, als in Chemnitz »Offener Prozess – ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex« im Beisein von Staatsministerin Petra Köpping eröffnet wurde. Das Haus ist ein Ort des Lernens und Nachdenkens, der Begegnung und des Gedenkens. Wesentliche Module des Projektes sind ein Archiv, das Forschung ermöglicht, ein Raum für Austausch und Vernetzung sowie die Ausstellung »Offener Prozess« mit dem dazugehörigen Diskurs- und Vermittlungsprogramm.
Die Bilanz der ersten fünf Monate ist ermutigend:
- ca. 12 400 Besucherinnen und Besucher
- über 200 Führungen mit insgesamt über 2000 Teilnehmenden
- 51 Veranstaltungen
- acht Workshops und acht Führungen mit ca. 300 Personen aus verschiedenen Zielgruppen der Polizei & Verwaltung, sowie Lehrkräften und Auszubildenden der sächsischen Polizeifachschulen
Petra Köpping: »Der Erfolg des NSU-Dokumentationszentrums nach so kurzer Zeit zeigt, dass die Relevanz der Auseinandersetzung in der Gesellschaft angekommen ist, aber auch, dass längst nicht alle Fragen beantwortet sind. Deswegen müssen wir diesen Weg fortsetzen.«
2024/2025 wurde das Dokumentationszentrum mit je zwei Millionen Euro durch den Freistaat Sachsen und den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert. Eine Weiterförderung und Verstetigung über das Kulturhauptstadtjahr hinaus ist geplant.