Archiv 2010
28.01.2010 - Grußwort anlässlich der Konferenz der Sächsischen Allianz für Familie in Chemnitz
- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
meine Damen und Herren,
liebe Gäste,
ich freue mich, dass Sie die Einladung zu dieser Konferenz aus Anlass des zweiten Jahrestages der »Allianz für Familien« angenommen haben und heiße Sie alle ganz herzlich willkommen. Ganz besonders freue ich mich darüber, dass heute so viele Unternehmerinnen und Unternehmer unter uns sind. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass familienfreundliche Personalpolitik einen festen Platz in der sächsischen Unternehmenswelt hat!
Meine Damen und Herren,
ich bin ja hier in einer Region zu Gast, die auch viel vom Automobilbau versteht. Lassen Sie mich deshalb mit einem Bild aus der Welt des Automobils beginnen: »Früher war die Familie eine Tankstelle, heute ist sie eine Garage«. Dieses Zitat stammt aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers Graham Greene. So schlimm steht es nicht um die sächsischen Familien. Und wenn man unbedingt bei einem motorisierten Vergleich bleiben will, dann kann man die sächsischen Familien wohl eher mit einer Lokomotive, denn mit einem geparkten Auto vergleichen. Eine Lokomotive, die dafür sorgt, dass unsere Gesellschaft lebendig bleibt. Die den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft festigt. Die das Miteinander der Generationen stärkt.
Die unsere Zukunft sichert. Um dieser Lokomotive freie Fahrt zu sichern, will Sachsen noch familienfreundlicher werden: Dies ist ein ambitioniertes Ziel, das wir erreichen können, wenn sich alle gemeinsam dafür einsetzen: Wirtschaft, Politik, Vereine und Verbände, Medien und jeder in seinem persönlichen Umfeld. Familien brauchen vor allem drei Dinge: Zeit, eine unterstützende Infrastruktur und Einkommen. Wir haben nicht auf alle diese Dinge Einfluss. Aber wie viel ist schon gewonnen, wenn wir es schaffen, Familien und ihre Belange mitzudenken bei allen unseren Entscheidungen. Das betrifft den Staat von Steuergesetzgebung bis hin zur Ausgestaltung des Elterngeldes. Das betrifft die Kommunen von Kinderbetreuung bis zu den familienfreundlichen Innenstädten. Und das betrifft natürlich auch die Unternehmen, vor allem hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dieses Mitdenken, diese Unterstützung aber ist keine Einbahnstraße.
Was wir in Familien investieren, bekommen wir mit höchster Rendite zurück – und zwar unabhängig von Börsencrash und Spekulation. Das gilt für den Staat insgesamt – ich denke nur an unsere Sozialsysteme. Das gilt für die Kommunen, denn da, wo Familien sind, ist Leben und Zukunft. Das gilt auch für unsere Unternehmen: Denn eine familienfreundliche Personalpolitik rentiert sich nicht nur über das Betriebsklima. Sie rentiert sich in Heller und Pfennig, denn sie sorgt für motivierte Mitarbeiter und oftmals ist sie der entscheidende Faktor bei der Fachkräftegewinnung. Wir wissen um das Fachkräfteproblem. Und wir kennen auch unsere größte stille Reserve: Die gut ausgebildeten jungen Frauen, deren oftmals einziges Hindernis es ist, Kinderbetreuung und Job unter einen Hut bringen zu müssen. Wir profitieren alle von den Leistungen, die Familien erbringen. Und weil im Moment so viel darüber gesprochen wird: Für mich sind Familien echte Leistungsträger! Der Profit ihrer Leistung kommt uns allen zugute. Und deshalb wollen wir Familien gemeinsam unterstützen. In einer breiten Kooperation zwischen Unternehmen, Politik und Kommunen wollen wir Sachsen als einen attraktiven Standort für Familien gestalten. Damit wir auch weiterhin das erfolgreichste Land im Osten Deutschlands bleiben können. Deshalb verstehen wir Familienpolitik auch als Teil der Wirtschafts- und Zukunftspolitik. 1,3 Millionen Euro investieren wir täglich in sächsische Familien und damit in unsere Zukunft.
Der größte Teil dieser Mittel fließt in 2.800 Kindertagesstätten, in denen täglich rund 200.000 Kinder betreut und vor allem auch in ihrer Bildungsentwicklung begleitet werden. Und diese Mittel zahlen sich aus: Der Freistaat ist das Bundesland, in dem Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die besten Bildungsabschlüsse machen! Aber: Eltern brauchen nicht nur Zeit, sondern auch Kompetenzen und Kraft, ihren Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen gerecht zu werden und gleichzeitig beruflich voll leistungsfähig zu sein. Dabei unterstützen wir Eltern durch vielfältige, teilweise auch neue und innovative Wege der Familienbildung und -beratung. Allein zur kostenlosen Beratung von Familien stehen täglich 500 Fachkräfte zur Verfügung. Vor allem aber fördern wir Familien auch dahingehend, dass sie sich ein dauerhaft eigenständiges Leben ermöglichen können: Wir fördern aus Mitteln des ESF die Berufsorientierung von Jungen und Mädchen, die sich in Unternehmen über Ausbildung und Qualifikation informieren können. Wir fördern die berufsbegleitenden Qualifizierungen in zukunftsträchtige Berufe. Wir fördern die berufsbegleitende Qualifizierung von Frauen in Führungspositionen. Wir fördern Qualifizierungsmaßnahmen nach einer elternzeitbedingten Unterbrechung der Erwerbstätigkeit. Der Freistaat tut also viel, aber ohne Ihren Beitrag, meine Damen und Herren, wird kein ganzes Bild daraus. Familienfreundlichkeit erschöpft sich nicht in finanzieller Förderung. Familienfreundlichkeit braucht alle Akteure, die die Lebensbedingungen von Familien mitgestalten.
Deshalb bin ich froh, dass in der sächsischen »Allianz für Familien« Politik, Wirtschaft und Kommunen an einem Tisch sitzen und vor allem an einem Strang ziehen. Aber letztlich entscheiden sich die konkreten Lebensbedingungen von Familien ganz konkret vor Ort: in den Kommunen und in den Unternehmen. Und auch hier gilt wieder der Umkehrschluss: Die Zukunft einer Kommune oder eines Unternehmens hängen auch maßgeblich davon ab, wie sie Familien als Einwohner bzw. als Mitarbeitende integrieren und unterstützen können.
Kinder- und Familienfreundlichkeit sind Standort- und Wettbewerbsvorteile! Was das konkret für eine lokale Familienpolitik bedeutet, wie man sie mitgestalten kann und welche Rolle dabei auch die Lokalen Bündnisse für Familie spielen, werden wir während der Konferenz diskutieren. Auch der sächsische Mittelstand ist sich seiner Verantwortung bewusst. Die Allianzpartner, insbesondere die sächsischen Kammern, haben hier schon wichtige Arbeit geleistet, und das Thema Familienfreundlichkeit in der sächsischen Wirtschaft verankert. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.
Aber wir müssen das Thema weiter in die Fläche tragen und gezielt Vertreter von kleinen und mittelständischen Unternehmen erreichen. Deshalb werden wir weiter Veranstaltungen zu ausgewählten Themen der Familienfreundlichkeit durchführen. Wir wollen dabei mit best-practise-Beispielen überzeugen und zur Nachahmung anregen. Ein erster Schritt in Richtung Familienfreundlichkeit ist beispielsweise die Aktion »Familie ins Unternehmen«. Das ist ein Tag oder ein Nachmittag, an dem Beschäftigte die Möglichkeit haben, Familienangehörigen, und vor allem ihren Kindern ihren Arbeitsplatz zu zeigen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein solcher Tag spannend für beide Seiten ist. Das war es zumindest bei uns im Sozialministerium. Daher unsere Bitte im Namen der Allianzpartner: Setzen Sie sich für einen solchen Aktionstag ein! Ein gutes Datum wäre der 15. Mai, das ist der »Internationale Tag der Familie« und damit ein guter Rahmen für eine solche Aktion. Die im Übrigen nicht viel kostet, aber wiederum viel einbringt. Sie erleichtert nämlich das Mitdenken von familiären Belangen.
Und nur wenn uns dieser Perspektivwechsel gelingt, dann werden wir für mehr Familienfreundlichkeit sorgen können. Und nur dann können wir verstehen, wie viel Kraft in dieser Lokomotive steckt, von der ich zu Beginn gesprochen habe. Sorgen wir also für freie Fahrt, sorgen wir für mehr Familienfreundlichkeit in Sachsen!
Vielen Dank!
