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Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz

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Archiv 2012

20.01.2012 - Grußwort anlässlich der Verleihung des Sächsischen Gründerinnenpreises

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, sehr geehrte Präsidenten, liebe Unternehmerinnen, sehr geehrte Gäste,
herzlich willkommen auf der Messe KarriereStart und herzlich willkommen zum nunmehr 12. Gründerinnenpreis. Für das neue Kalenderjahr wünsche ich Ihnen alles Gute und natürlich Erfolg. Normalerweise beginnt ein neues Jahr immer mit guten Vorsätzen. Ich möchte mit Ihnen das neue Jahr mit starken Vorbildern beginnen. Denn obwohl es unseren Gründerinnenpreis erst seit 12 Jahren gibt, gibt es erfolgreiche Unternehmerinnen bereits seit Jahrhunderten. Und von diesen starken Frauen können wir noch heute viel lernen. Erinnern Sie sich noch an Melitta Bentz, die Erfinderin des Kaffeefilters? Als 35-jährige Hausfrau und Mutter wollte Sie den Kaffeesatz im fertigen Kaffee vermeiden. Sie legte ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes in einen Messingtopf, den sie mit Nägeln durchlöchert hatte. Heute liest man: »der Urfilter war geboren.« Als Ihre Freundinnen, Nachbarinnen und Bekannten von der Idee begeistert waren, entschied Melitta Bentz sich, ihre Idee zu vermarkten. Nach dem Ersten Weltkrieg wuchs ihr Unternehmen so rasant, dass Sie 1929 ins ostwestfälische Minden umziehen musste. In Dresden fanden sich keine geeigneten Produktionsräume mehr. Auch als sie sich aus dem Geschäft bereits zurückgezogen hatte, blieb sie das soziale Gewissen der Firma. Was können wir also von Melitta Bentz lernen? Erstens: Frau braucht nur eine Idee, heute würde man sagen Marktlücke, um als Unternehmerin erfolgreich zu sein. Zweitens: Wir als Politik müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass keine Firma mehr aus Sachsen wegziehen muss. Geeignete Produktionsräume müssen im Zweifel geschaffen werden. Und drittens: Frauen waren und sind das soziale Gewissen einer Firma. Diesen Vorteil müssen Sie nutzen!

Sehr geehrte Damen und Herren,
auch Margarete Steiff hat eine beeindruckende Lebensgeschichte. Sie erkrankte schon mit eineinhalb Jahren an einem hohen Fieber. Sie war danach teilweise gelähmt. Später diagnostizierte man bei ihr Kinderlähmung. Dennoch war Margarete ein fröhliches Kind mit überdurchschnittlichen Noten und einem überragenden Organisationstalent. Sie entwickelte ein gutes Selbstbewusstsein und setzte den Wunsch, die Nähschule zu besuchen, gegen den Wunsch ihrer Eltern durch. Als sie 27 Jahre alt war, baute ihr Vater das Familienhaus um und richtete eine Schneiderei ein. Margarete und ihre Schwester hatten soviel Arbeit, dass Sie sich bald eine Nähmaschine kaufen konnten. Obwohl sie diese nur von der eigentlich falschen Seite bedienen konnte, wurde sie sehr schnell produktiv. Den Durchbruch erlangte sie mit einem Nadelkissen in Form eines Elefanten. Ihm folgten viele weitere Tiere – wie auch der heute weltbekannte Teddybär. Dieser Teddybär wurde anfangs sogar erfolglos produziert, bis er auf der Leipziger Spielwarenmesse vorgestellt wurde. Was können wir als aus dem Leben von Margarete Steiff für unsere heutige Zeit mitnehmen. Erstens: Ein Handicap ist kein Grund, kein Unternehmen zu gründen. Im Gegenteil, diese Erfahrung bringt oft die nötige Durchsetzungskraft mit sich. Zweitens muss man sich auch manchmal gegen seine Eltern durchsetzen. Die Dynamik der Jugend macht viel möglich. Und drittens: Ein scheinbar erfolgloses Produkt kann zum Welterfolg werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,
es gibt so viele erfolgreiche Frauen, dass es mir schwer fiel, die richtigen Beispiel auszuwählen. Coco Chanel, Madeleine Albright, unsere Gret Palluca. Aber ich will auch nicht in der Vergangenheit schwelgen. Ich will mit Ihnen in die Zukunft blicken. Denn allein diese beiden Beispiele zeigen, dass es sich lohnt Unternehmerin zu werden. Sie, meine Damen, haben den Mut gehabt, in die Selbstständigkeit zu gehen. Sie geben damit anderen Menschen Arbeit und können so ihr eigenes Wissen weitergeben. Sie sind ein wichtiger Teil unserer sächsischen Wirtschaft und Gesellschaft. Genau wie unsere diesjährige Preisträgerin, die sich diese Auszeichnung wirklich verdient hat. Und die auch stellvertretend für den Erfolg sächsischer Frauen steht. Denn diese Auszeichnung ist nicht nur wichtig für die Preisträgerin sondern auch für die Gleichstellungspolitik in Sachsen und deren Außenwirkung. Wir haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel erreicht. Gleichwohl weiß ich, dass auch heute noch nicht alles perfekt ist. Das zeigt sich gerade im Bereich der Unternehmerinnen und der Unternehmensgründung durch Frauen. Und dabei geht es heute eben gerade nicht mehr um Geschlechterrollen. Sondern um die unterschiedlichen Lebensverläufe. Auch wenn Männer und Frauen sich heute oftmals gemeinsam um alles kümmern, gibt es im Leben einer Frau Einschnitte, die es im Leben eines Mannes nicht gibt. Zum Beispiel die Geburt eines Kindes. Gerade im ersten Jahr des Kindes ist die Mutter besonders gefordert. Und steht danach vor der Herausforderung, den Weg in die Arbeit zurück zu finden. Es ist also kaum verwunderlich, was aktuelle Studien zeigen: Das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim hat festgestellt, dass junge Kinder auch ein Anreiz für das Unternehmerinnen-Dasein sind. Denn: Frauen mit einem Kind unter drei Jahren sind mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit selbstständig als Frauen ohne Kinder. Das heißt: Eine Geburt kann Anlass zum Wechsel in eine selbstständige Tätigkeit sein - hauptsächlich für Freiberuflerinnen, die sich ihre Arbeitszeiten dann flexibler einteilen können. Trotz dieser neu gewonnen Flexibilität arbeiten selbstständige Frauen zwar mehr als Angestellte aber immer noch weniger als selbstständige Männer. Weit über die Hälfte der selbstständigen Frauen arbeitet höchstens 40 Stunden in der Woche. Fast ein Drittel höchstens 30 Stunden. Die übrige Zeit gehört der Familie, sagt die Studie. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: das sind keine schlechten Fakten. Oder Entwicklungen, die beängstigend sind. Nein, ganz im Gegenteil. Sie zeigen vielmehr, dass Frauen ihren Lebenslauf mittlerweile als etwas besonderes wahrnehmen. Und, dass Sie die Chancen nutzen, die sich aus diesen Besonderheiten ergeben. Denn unsere Frauen sind zumeist fachlich hoch qualifiziert, motiviert und verfügen über ausgeprägte soziale Kompetenzen. Dies befähigt sie in besonderem Maße, ein Unternehmen erfolgreich zu führen. Das auch immer mehr Frauen das wissen und Selbstvertauen entwickeln, zeigen die Zahlen von 1996 bis 2010. In diesem Zeitraum stieg die Zahl selbstständiger Frauen in absoluten Zahlen in gleicher Weise wie die selbstständiger Männer. Aber relativ ausgedrückt, haben 40 % mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, bei den Männern waren es nur 15 %. Das zeigt eines ganz deutlich: Wir brauchen mehr mutige Frauen. Denn dieser Mut wird belohnt. Zum 100. Frauentag im letzten Jahr hatten wir Prof. Bascha Mika mit ihrer Streitschrift »Die Feigheit der Frauen« zu Gast. Sie hat das Thema Gleichstellung noch einmal von einer anderen Seite betrachtet: Ich zitiere: »Wenn die Komfortzone mit Heim und Herd so wahnsinnig sinnstiftend ist, warum ist die dann nicht längst eine Domäne der Männer?« Prof. Mika hält in diesem Buch uns Frauen den Spiegel vor und spricht Wahrheiten aus, die im Jahre 2011 eigentlich selbstverständlich sein sollten. Sie geht aber auch der Frage nach, ob wir Frauen uns nicht noch allzu oft in eine selbst verschuldete Unmündigkeit fügen. Ich sage: Wir Frauen leisten viel, sehr viel. Wir Frauen sind weder blind für die Fehler unserer „Mit-Frauen“, noch für die Vorzüge unserer Männer. Und eines ist immer präsent: Wer sich in Konkurrenz begibt – ganz gleich, ob Frau oder Mann – muss dies auch aushalten können. Dass Sie, liebe Unternehmerinnen, das aushalten können, zeigen Sie jeden Tag. Und ich hoffe, dass noch viele Frauen sich ein Beispiel nehmen und mutig Ihren Weg gehen. Denn wir haben gerade auf dem Arbeitsmarkt eine ganz positive Entwicklung. Bisher eigneten sich typische Frauenberufe selten zu einer Selbstständigkeit. Das ändert sich gerade. Denn der Gesundheitssektor und die Kreativwirtschaft gelten als die Wachstumsmärkte der Zukunft. Das heißt: die Zeit der Unternehmerinnen kommt erst noch. Davon bin ich überzeugt. Sie, liebe Unternehmerinnen, können als in Zukunft noch viel mehr Vorbild sein, motivieren, Ängste nehmen. Sie können andere Frauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleiten. Und Sie können sich jetzt ein Netzwerk mit anderen Unternehmerinnen aufbauen. Damit können Sie gleich heute hier beginnen. Wie dies gelingen kann, zeigt auch unsere diesjährige Preisträgerin. Ich möchte wie immer nicht zu viel verraten, aber die Preisträgerin hat den Markt der Zukunft schon lange erkannt.

Liebe Unternehmerinnen,
Seien Sie stolz auf sich. Sie sind etwas Besonderes. Sie prägen unser Land ganz entscheidend mit. Ich wünsche Ihnen allen die Kraft für anstehende Herausforderungen, den Mut, immer wieder neue Wege zu gehen, und die Fähigkeit, so zu bleiben, wie sie sind. Herzlichen Dank.

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