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Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz

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Archiv 2012

20.01.2012 - »Herausforderungen der Veterinärmedizin« - Interview mit Staatsministerin Christine Clauß

Sehr geehrte Frau Staatsministerin, der Besuch beim 6. Leipziger Tierärztekongress war Ihnen besonders wichtig. Warum?


Christine Clauß: Unsere Veterinärmediziner sind ein wichtiger Teil unseres Gesundheits- und Hygienesystems. Denken wir nur an das letzte Jahr als wir gleich zu Beginn vor der Herausforderung zu hoher Dioxinwerte in Lebensmitteln standen oder als wir im Sommer Bekanntschaft mit dem Bakterium EHEC machten. Damals haben unsere Veterinärmediziner immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden und nicht nach Feierabend gefragt. Aktuell ist es die Verwendung von Antibiotika in der Nutztierhaltung.
Dieser Kongress ist seit 1998 ein bundesweites Treffen aller Veterinärmediziner, die sich weiterbilden, austauschen und ihre Arbeit koordinieren. Mittlerweile kommen sogar internationale Gäste. Das ist eine beeindruckende und irgendwie auch beruhigende Entwicklung. Ich habe mir gern die Zeit genommen, nach Leipzig zu kommen, um unseren Veterinärmedizinern zu danken und mit ihnen über die aktuellen Entwicklungen zu sprechen.


Sie sprechen die Verwendung von Antibiotika bei Nutztieren an. Was sagen Sie zu der aktuellen Entwicklung.


Christine Clauß: Das Thema ist präsent und brisant. Aber wir dürfen jetzt nicht in Aktionismus verfallen, wir müssen genau überlegen was zu tun ist, Denn Antibiotika sind die wichtigsten Mittel zur Behandlung bei Infektionskrankheiten. Sie dürfen aber nur dann eingesetzt werden, wenn dies unbedingt notwendig und erforderlich ist. Eben zur Krankheitsbehandlung und nicht zur Wachstumsförderung. Sonst werden wir die Zunahme von Antibiotikaresistenzen nicht stoppen. Das Gegenteil tritt ein. Dafür gibt es aber bereits bestehende Regelungen, die das festschreiben. Und diese Regelungen müssen eingehalten werden. Aber wir müssen uns durchaus auch fragen, warum Nutztierhalter gegen diese Regelungen verstoßen? Wenn ein Hähnchen in einem großen Supermarkt nur 2 Euro kostet und ein Nutztierhalter an jedem Hähnchen nur 8 Cent verdient, können wir uns diese Fragen schnell beantworten. Darüber müssen wir uns bewusst sein und dieses Bewusstsein auch bei den Verbrauchern stärken. Das Thema Antibiotika ist brisant und präsent, aber wir müssen alle Aspekte in unsere Überlegungen einbeziehen. So auch folgenden: Erkrankte Tiere sind zu behandeln. Das gebietet der Tierschutz.


Was werden Sie tun, um die Einhaltung dieser Regeln zu verbessern?


Christine Clauß: Bundesverbraucherschutzministerin Aigner hat ganz aktuell einen Gesetzentwurf dazu vorgelegt. So sollten die Überwachungsbehörden der Bundesländer einen erweiterten Zugriff auf die erfassten Abgabemengen von Antibiotika zu Monitoringzwecken erhalten. Außerdem sollen die Tierärzte verpflichtet werden, auf Anfrage alle Daten zur Abgabe und Anwendung von Antibiotika zusammengefasst zu übermitteln. Damit soll die Überwachung deutlich erleichtert werden. Das fordern im Übrigen auch die Tierärzte selbst.
Wir sind gerade dabei, das Gesetz eingehend zu prüfen und neue Ideen zu entwickeln, wie die Verwendung von Antibiotika nicht nur besser kontrolliert werden kann. Sondern wie wir auch die Tierhaltungsbedingungen, die Tierbetreuung und das Management verbessern können, um langfristig auf den Einsatz von Antibiotika verzichten zu können.

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