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Archiv 2011

29.06.2011 - Interview zum Thema Organspende

Die Fragen stellte Samira Sachse, Freie Presse; abgedruckt in der Freien Presse, 29.06.2011

Freie Presse: Ein Thema der Konferenz wird eine neue Organspende-Regelung sein. Warum besteht Handlungsbedarf?

Christine Clauß: Das Hauptproblem der Transplantationsmedizin ist nach wie vor der Mangel an Spenderorganen. Täglich sterben in Deutschland ca. 3 Menschen auf der Warteliste, weil für sie nicht rechtzeitig ein lebensrettendes Organ zur Verfügung steht. Mein zentrales Anliegen ist es deshalb, die Organspenderate zu erhöhen.

Freie Presse: Die erweiterte Zustimmungslösung soll entweder durch die  Entscheidungs- oder die  Widerspruchslösung ersetzt werden. Für welches plädieren Sie und warum?

Christine Clauß: Ich plädiere ganz klar für die Entscheidungslösung. Jeder Bürger soll in sei-nem Leben zumindest einmal danach gefragt werden und aktiv selber ent-scheiden, ob er nach seinem Tod Organe als Spender zur Verfügung stellen möchte oder nicht. Aber niemand soll zu einer Entscheidung gezwungen werden. Es muss auch die Möglichkeit geben, sich nicht erklären zu wollen. Und jede und jeder muss auch im Nachhinein die Möglichkeit haben, seine Entscheidung wieder zu ändern. Wichtig ist aber, dass der Zugang, Organ-spender zu werden, einfacher wird.

Freie Presse: Wie könnte die praktische Umsetzung aussehen und wann soll die Änderung vollzogen werden?

Christine Clauß: Ich möchte ein unbürokratisches und gleichzeitig vertrauenswürdiges Ver-fahren. Ich denke beispielsweise an die Gesundheitskarte oder eine gleich-zeitige Abfrage bei der Beantragung eines Personalausweises, Reisepasses oder des Führerscheins. Für mich ist dabei ganz wichtig, dass bei allen Ver-fahrensfragen immer im Blick bleibt, dass es sich um eine sensible, weil höchstpersönliche Frage eines jeden von uns handelt.

Freie Presse: Wie viele Menschen warten in Sachsen auf ein Spenderorgan?

Christine Clauß: In Sachsen warten derzeit über 700 Menschen auf eine Organspende. Genau das ist auch der Grund, warum ich mich für eine klare Regelung einsetze. Es geht darum, Leben zu retten oder lebenswerter zu gestalten. Im Endeffekt kann es jeden von uns treffen. Deswegen sollte sich auch jeder einmal kurz für das Thema interessieren.

Freie Presse: Wie viele Spender sind in Sachsen registriert?

Christine Clauß: Anders, als beispielsweise bei der Knochenmarkspende, gibt es für potentielle Organspender kein Register. Darum sollte man seinen Organspenderausweis immer bei sich tragen.

Freie Presse: Welche Spenderorgane sind am begehrtesten?

Christine Clauß: Für alle transplantierbaren Organe gilt: Der Bedarf übersteigt die Zahl der gespendeten Organe. Am häufigsten werden Nieren transplantiert (2.937 Nieren-Transplantationen im Jahr 2010 in Deutschland). Im besten Falle würde es gelingen, die Zahl der Spenderorgane zu vervielfa-chen. Dann würden aber die klinischen Strukturen und die Transplantations-kapazitäten fehlen. Wie wollen Sie in Sachsen das Defizit beheben? Sachsen ist hier gut gerüstet und die Transplantationskapazitäten sind ausreichend. Schon heute könnten die bestehenden Transplantationszentren viel mehr Transplantationen vornehmen. Was jedoch fehlt, sind genügend Spenderorgane.
 
Freie Presse: Welche Rolle bei Transplantationen spielen die Kliniken im Landesdirektions-bezirk Chemnitz?
 
Christine Clauß: Grundsätzlich können in jedem Krankenhaus Spenderorgane entnommen werden. Auch im Bezirk Chemnitz sind sehr gute Kliniken, die sich um das sensible Thema der Organspende kümmern. Auf der jährlichen Auszeich-nungsveranstaltung der Deutschen Stiftung Organtransplantation zur Würdigung des Engagements von Krankenhäusern im Organspendeprozess habe ich gerade in der letzten Woche die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heinrich-Braun-Klinikums Zwickau für ihr Engagement ausgezeichnet.

Freie Presse: Wäre der Aufbau eines Transplantationszentrums auch in dieser Region denkbar und wenn ja, wo? Gibt es genügend Fachärzte dafür?

Christine Clauß: Die Einpflanzung des Organs erfolgt ausschließlich in spezialisierten Kliniken, den Transplantationszentren an den Uni-Kliniken Dresden und Leipzig. Mit beiden Einrichtungen haben wir zwei moderne und leistungsfähige Transplantationszentren deren Kapazitäten derzeit ausreichen. Zusammen mit den Kliniken vor Ort sind wir in Sachsen gut aufgestellt.

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