Archiv 2011
14.01.2011 - Grußwort anlässlich des Ersten Sächsischen Unternehmertages Pflege des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V.
- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Dr. Faensen, sehr geehrte Damen und Herren,
herzlichen Dank für die freundliche Einladung und herzliche Grüße der Sächsischen Staatsregierung und des Ministerpräsidenten Tillich mit guten Wünschen für das neue Kalenderjahr. Und das ist es für mich persönlich ein gutes Omen, dass heute vor 136 Jahren mein Vorbild: Theologe, Arzt, Musiker und Menschenfreund Albert Schweitzer geboren ist. Mit seinen Worten: »Die Ehrfurcht vor dem Leben und das Miterleben des anderen Lebens gibt unserem Leben den eigentlichen Sinn und Wert.« Motiviert er mich nicht nur jeden Tag bei meinen Aufgaben und in meinem Amt. Nein, er beschreibt auch die Motivation eines jeden Einzelnen, der sich der Pflege seiner Mitmenschen widmet. Eine solche Aufgabe benötigt aber nicht nur Empathie, Anspruch und das Wollen, sie benötigt auch gewisse Rahmenbedingungen. Rahmenbedingungen, die bei uns in Sachsen nach 1989 geschaffen wurden. Das war eine riesige Herausforderung, aber sie hat sich gelohnt. Denn zwanzig Jahre später kann sich die sächsische Pflegelandschaft dem nationalen Vergleich durchaus stellen. Mit rund 1045 ambulanten Pflegediensten, mehr als 560 vollstationären Einrichtungen und fast 300 teilstationären Angeboten ist im Freistaat eine Versorgungsdichte erreicht, die teilweise sogar über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt. Diesem eindrucksvollen Wandel in der pflegerischen Versorgung liegt auch ein erhebliches staatliches Engagement zugrunde. Seit 1995 sind fast 1,4 Milliarden Euro an Fördermitteln des Bundes und des Freistaates in die Entwicklung einer zukunftsfähigen pflegerischen Versorgungsstruktur geflossen. Rund 330 stationäre und teilstationäre Einrichtungen konnten damit saniert oder neu gebaut werden. Über 200 Sozialstationen konnten gefördert werden. Hunderte von ambulanten Pflegediensten mit einer Anschubfinanzierung ausgestattet werden. Und dabei sind wir alles andere als stehen geblieben. Denn die Pflege beschäftigt uns jeden Tag – nicht nur aufgrund unseres demographischen Wandels – es ist eines unserer Zukunftsthemen. So haben wir in meinem Hause den thematischen Schwerpunkt 2011 auch auf die Pflegepolitik gelegt – unter der Trias Pflegebedürftige – Pflegende Angehörige – und Pflegefachkräfte. Wir brauchen Mut, Weichen zu stellen, neue Wege zu beschreiten und uns von alten Mustern zu lösen. Denn wie Sie bereits in Ihrem Einladungsschreiben angeführt haben: die Herausforderung der Pflege kann nicht mehr allein durch staatliche Institutionen bewältigt werden. Wir brauchen private Unternehmen wie Sie es sind. Denn Sie überzeugen nicht nur durch Ihre positive Einstellung zu Ihrem Beruf. Sie überzeugen auch mit Flexibilität, Innovationsfähigkeit und Kundenorientierung. Wir brauchen aber auch mehr Anerkennung für den Pflegeberuf. Das ist mir sehr wichtig. Denn ich weiß, was Pflegekräfte leisten. Sie gehen in die Privatsphäre einer Familie und müssen sehr sensibel vorgehen. Sie kennen fast jeden Schicksalsschlag, jedes freudige Ereignis und manches Detail aus dem Familienleben. Leiden demnach auch oft mit Ihren Patienten mit. Und nicht zuletzt sind Sie selbst auch Familienmenschen, müssen Beruf und Familie vereinbaren können. Das ist nicht immer leicht. Auch nicht für die privaten Unternehmer und Unternehmerinnen. Denn die Pflege richtet sich selten nach der Uhr. Deshalb ist es gut, dass es nun auch einen Unternehmertag Pflege in Sachsen gibt. Sie sich austauschen, voneinander lernen und sich weiterbilden. Denn so können Sie die größten Herausforderungen klar benennen, Lösungen aufzeigen und notwendige Änderungen angehen. So ebnen Sie zugleich den Weg für den pflegerischen Nachwuchs. Den wir so dringend in großer Anzahl aber auch mit hervorragender Qualifikation brauchen.
Meine Damen und Herren,
eine geborgene Zukunft unserer Hochbetagten, Hilfebedürftigen und Demenzerkrankten gelingt nur, wenn wir ihnen eine Stimme geben. Knüpfen wir gemeinsam unser sächsisches Pflegenetz Knoten für Knoten dichter, damit es trägt und hält in Zukunft. Ich wünsche Ihnen für Ihren ersten Kongress hier in Dresden, interessante Vorträge, gute Gespräche, viel Erfolg und Grüße Sie in der Gewissheit, dass die Probleme der Zukunft nicht die der Technik, aber sehr wohl die der Ethik sein werden. Vielen Dank.
